Gewalt gegen Einsatzkräfte - wenn Helfer zu Opfern werden

JUSTICE - Die Justizreportage mit Richterin Julia Scherf

Gewalt gegen Einsatzkräfte - wenn Helfer zu Opfern werden
Trailer "Gewalt gegen Einsatzkräfte"
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Gewalt gegen Einsatzkräfte - wenn Helfer zu Opfern werden

Serie

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 45 Minuten
  • Sender: RTL

Produktion

  • EIKON Nord GmbH
  • Produktionsjahr: 2019
  • Produzent: Thorsten Neumann

Kontakt

Eine Polizistin wird bei einem Routineeinsatz mit einer Bierflasche schwer verletzt, ein wütender Autofahrer fährt einem Feuerwehrmann über den Fuß. Angriffe auf Einsatzkräfte sind zu einem gesellschaftlichen Problem geworden.

JUSTICE spricht mit Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften über ihre Gewalterfahrungen. Was wird aus ihren Strafanzeigen? Wie ahndet die Justiz solche Attacken?



Der Tag des Prozessbeginns am Amtsgericht Plön ist ein verregneter Sommertag. Das Wetter passt sich der Stimmung an. Heute wird im Fall der Kieler Polizeioberkommissarin Tina L. verhandelt. Ein Jahr zuvor wurde sie bei einem scheinbar harmlosen Einsatz von einer vollen Bierflasche am Rücken getroffen, geworfen aus dem vierten Stock eines Wohnhauses. Der Täter: Ein 19jähriger Sohn einer polizeibekannten Familie, der schon einige Vorstrafen in seinem jungen Leben angesammelt hat. Aufgrund seines Alters kann er heute noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden – diese Entscheidung obliegt bei Heranwachsenden dem Richter. Verhandelt wird heute nicht nur die eine Tat, sondern eine Vielzahl von Delikten, über die dann mit einer Gesamtstrafe geurteilt wird.

Tina L. ist nervös. Ihre Kolleginnen und Kollegen begleiten sie heute. Wir verabreden, dass wir längere Interviews erst nach der Verhandlung führen, wenn alles vorbei ist. Damals bei der Tat wurde sie zum Glück nur leicht verletzt, trug leichte Prellungen davon. Doch wie schwer der Schock tatsächlich noch sitzt, macht sich heute bemerkbar. Stundenlang wird verhandelt, es werden Gutachten verlesen, die Taten geschildert und Zeugenaussagen gehört. Als Tina L. an der Reihe ist, wird es still im Saal. Der Polizistin fällt es schwer, ihre Aussage zu machen, den Fall noch einmal zu durchleben, sich vorzustellen, was alles hätte passieren können. Und dann ist da noch die Aufnahme der Bodycam: Als Einsatzleitung macht Tina L. vor Ort klare Ansagen, hat die Situation im Griff. Dann knallt es, sie schreit und fällt zu Boden, auf dem Bild ist währenddessen nicht viel zu erkennen. Für alle anwesenden Kolleginnen und Kollegen ist das nur schwer zu ertragen.

Mich macht das stutzig. Müssen die Polizisten sich nicht schließlich ständig in Gefahrensituationen begeben? Sind sie nicht froh, dass hier nicht mehr passiert ist? Im anschließenden Interview mit Tina L. wird mir klar, wie falsch es ist, anzunehmen, dass körperliche Angriffe eben zum Berufsrisiko für Polizisten dazugehören. „Das Problem an dieser Sache ist, dass man immer sagt: Naja, aber es ja Ihre Berufswahl und Sie haben sich dafür ja entschieden. Aber ich habe mich eben nicht dafür entschieden, angegriffen zu werden und ich habe mich nicht dafür entschieden, verletzt zu werden. Sondern ich habe dafür entschieden, dem Bürger grundsätzlich zu helfen“, sagt Tina L.

Polizisten, Vollzugsbeamte, Rettungs- oder Feuerwehrkräfte – sie alle sind Menschen unter ihrer Uniform. Menschen wie du und ich mit Emotionen, einer Meinung, Humor. Das wurde uns einmal mehr bei den Dreharbeiten deutlich.

Caroline Schmidt

  • ModerationJulia Scherf
  • AutorCaroline Schmidt
  • KameraRobert Engelke
  • KameraConnie Goos
  • KameraErik Hartung
  • KameraHans-Jörg Reinel
  • SchnittDaniel Probst
  • AnimationDirk Lehner
  • ProduktionsleitungSusanne Gerriets
  • ProduzentThorsten Neumann
  • RedaktionStefan Suchalla