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Justice

Erschossene Haustiere

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Trailer "Erschossene Haustiere"
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Moderatorin und Richterin Julia Scherf
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Tierschutzorganisationen schätzen, dass pro Jahr 40.000 Hunde und 300.000 Katzen von Jägern erschossen werden
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Jägeranwalt Pierre Pötzl: "In Schleswig Holstein gilt das Tatprinzip"
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Hundebesitzerin Carmen Ritchie: Haustiere gehören zur Familie
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Justice

Serie

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 30 Minuten
  • Sender: RTL

Produktion

  • EIKON Nord GmbH
  • Produktionsjahr: 2013
  • Produzent: Thorsten Neumann

Kontakt

Bewohner in einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein trauern. Ein elf Monate alter Hund wird vom ortsansässigen Jäger erschossen. Es kommt zur Anzeige, weil die Hundebesitzerin nicht glauben will, dass ihr Hund gewildert hat. Polizei und Justiz ermitteln. Zeitungen berichten über den Fall. Der Jäger sieht sich einer Hetzjagd ausgesetzt, dabei habe er nach gültigem Jagdrecht gehandelt.

Ähnlich sehen es in Deutschland andere Jäger, die zum Schutz des Wildes auch Katzen töten, wenn sie zu weit vom letzten Haus im Dorf entfernt angetroffen werden. Katzen müssen laut Jagdrecht dabei nicht mal wildern. Tierschutzorganisationen, die prinzipiell den Abschuss von Haustieren ablehnen, schreiben immer dann, wenn ein Tötungsfall öffentlich wird von den drei „S“ der Jäger: „Schießen, schaufeln, schweigen“.

Die Hundebesitzerin Carmen Ritchie will wissen, ob das heutige Jagdgesetz wirklich noch zeitgemäß ist. Denn die Deutschen sind tierlieb geworden, ihre Haustiere gehören längst zur Familie. Der Anwalt des Jägers, Pierre Pötzl aus Kiel, der im laufenden Fall zum Verfahren nichts sagen möchte, betont: „In Schleswig Holstein gilt das sogenannte Tatprinzip, Fall bezogenes Prinzip, das heißt, wenn der Jäger einen Hund wildernd im Revier antrifft, dann darf er ihn – wenn er ihn in dieser konkreten Situation trifft - strecken – sprich schießen.“

Im Bundesland Sachsen wurde das Jagdgesetz gerade angepasst. Hunde dürfen nur noch eingeschränkt und mit besonderen Auflagen verbunden vom Jäger „gestreckt“ werden.  Was der Wolf damit zu tun hat – sehen Sie in der Justice-Reportage.

„Justice“ erzählt in dieser Folge von getöteten Katzen im Teutoburger Wald und vom sogenannten „Hunde-Drama“ in Boksee.

Nachdem in einer bunten  Boulevard-Zeitung in großer Aufmachung vom „Hunde-Drama in Boksee“ berichtet worden ist, nahm „Justice“ Kontakt mit der Familie auf. Eigenartiger Weise war das Echo verhalten. Auch in allen anderen Fällen durch Jäger getöteter Haustiere, ob Hunde oder Katzen, war die Bereitschaft vor der Kamera zu erzählen gering. Zu sehr hat die Angst überwogen, dass sich die Schützen „rächen“ könnten. Immerhin passieren ja die meisten Geschichten in ländlichen Gegenden. Man kennt die Nachbarn. Carmen Ritchie, deren Hund „Snatch“ vom Jäger erschossen worden ist und zwar von vorne in die Brust, brauchte sehr viel Mut, um schließlich ihre Geschichte öffentlich zu erzählen, in aller Ruhe und sehr ausführlich. Andere Protagonisten haben diese Kraft nicht besessen, Astrid Heitmann, deren Minna „abgeknallt“ worden ist, wie sie es selber gesagt hat, konnte erst nach einigen Wochen das „Justice“-Drehteam einladen – viel zu groß war ihre Angst vor Repressalien und allein das Konzept der neuen RTL-Sendereihe hat sie überzeugt. Frau Ritchie aus Boksee schließlich war vor dem Dreh misstrauisch. Als sie die Moderatorin Julia Scherf im Fernsehen in einer Talksendung gesehen hat und der Autor Andreas Kuno Richter schließlich ihren Pferdehof in Boksee besucht hat, waren Vertrauen und Zuversicht da. Der Jäger aus Boksee wollte nach E-mail-Kontakten und einem längeren Telefonat mit dem „Justice“-Autor zum Interview nach Kiel kommen. Das hat sein Anwalt allerdings in letzter Minute verhindert. Bevor der Autor wenigstens ihn befragen durfte, meinte der Jurist: „Vor allem die Medien tragen Schuld daran, dass ein schlechtes Bild vom Jäger verbreitet wird.“

Warum lässt er dann den Jäger schweigen?

Juristische Vorüberlegungen:

Die Wölfe sind mittlerweile bis nach Niedersachsen verbreitet. Wenn Sachsen-Anhalt im letzten Jahr das Gesetz zum Schutz des Wolfes für die Jäger dahingehend verschärft hat, dass auch wildernde Hunde nicht ohne vorherige Genehmigung erschossen werden dürfen, dann zeigt, dies dass

 

a) die Verwechselungsgefahr hoch ist

b) gerissenes Wild eher in Kauf genommen wird durch ein wilderndes Tier, als dass es gleich abgeschossen werden darf - könnte ja ein Wolf sein. Warum gilt dieser Schutz (also bis die Genehmigung durch den Jäger vorliegt) nicht auch den Hunden? Denn dann könnte fehlerhafte Entscheidungen bzw. vorschnelle Entscheidungen eines Jägers - nicht nur zu Lasten des Wolfes - sondern eben auch zu Lasten des Hundes vermieden werden. 

Da es also bundesweit mittlerweile Wölfe gibt, spricht einiges dafür, dass man im ganzen Bundesgebiet den jeweiligen LandesG auffordert, über entsprechende Verschärfungen des Jagdrechtes nachzudenken. Mit einem doppelten Schutzzweck: zum Schutz der Wölfe und zum Schutz der Hunde vor vorschnellen Schüssen.

Was passiert, wenn ein Hund der frei rumläuft Wild hinterherjägt?

Hundesbesitzer wollen dem Hund artgerechten Auslauf ermöglichen, Jäger möchten, dass das Wild seine Ruhe hat. 

Wer hat Recht?

  • ModerationJulia Scherf
  • AutorAndreas Kuno Richter
  • KameraErik Hartung
  • SchnittChristian Büttner
  • SchnittDaniel Probst
  • Musik/KompositionChristoph M. Kaiser
  • AnimationTina Obladen
  • ProduktionsleitungSusanne Gerriets
  • ProduzentThorsten Neumann
  • PressebetreuungAnna Reinecke, Katja Kersting
  • MitarbeitSarah Bekele

Erschossene Haustiere

Tierschutzorganisationen schätzen, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 300.000 Katzen und 40.000 Hunde von Jägern erschossen werden. Ganz legal. Wie kann das sein?

Nach den Regeln des Jagdschutzes muss das Wild vor wildernden Hunden und Katzen geschützt werden, so § 23 Bundesjagdschutz-Gesetz. Jedes Bundesland hat eigene Regeln geschaffen, wann ein Jäger befugt ist, zu diesem Zweck - also dem Schutz des Wildes - Hunde oder Katzen zu schießen. In Schleswig Holstein zum Beispiel ist das, wie in den meisten anderen Bundesländern, klar definiert: wenn der Hund oder die Katze deutlich sichtbar das Wild verfolgt und sich außerhalb des sogenannten „Einwirkungsbereiches“ des Halters befindet (§ 21 Abs. 1 Nr. 2 SHLJagdG). Wann aber ist das Tier nicht mehr im Einwirkungsbereich seines Halters - das kann und ist meist streitig, also eine Frage des Einzelfalls. Und wie erkennt der Jäger, dass das Haustier wildert? Vor allem aber, kann man als Halter nur sehr schwer beweisen, dass der Hund oder die Katze keine Gefahr für das Wild darstellte – in der Regel gibt es keine Zeugen.

Nach dem Gesetz darf der Jäger schießen – als ein Mittel der Gefahrenabwehr. Im Gesetz steht aber nur, dass er "befugt" dazu ist. Das bedeutet, dass er sehr wohl gehalten ist, auch weniger drastische Maßnahmen zu ergreifen. Denn man muss immer versuchen, das mildere Mittel anzuwenden, bevor man zum härtesten greift. Weitere Möglichkeiten wären, das Haustier zu verscheuchen, hinzulaufen, nur in die Luft zu schießen oder möglichst nur leicht zu verletzten, statt zu töten. Das Tier zu erschießen ist also das härteste Mittel.

Trotzdem - schwer für Tierliebhaber zu akzeptieren, dass die geliebten Haustiere einer solchen Gefährdung ausgesetzt sind.

Daher sollte man zum Beispiel immer sofort den zuständigen Förster informieren, wenn das eigene Haustier weggelaufen ist und ihn darauf hinweisen, dass der Hund oder die Katze frei im Wald herumläuft. Immer in der Hoffnung, dass der Förster, als zuständige Amtsperson, versuchen wird, das Tier vom Wildern abzuhalten, ohne dass dies tödlichen enden muss.

Was aber passiert, wenn ein Haustier erschossen wurde?

Der Halter kann Strafanzeige erstatten und man kann Schadensersatz verlangen - was natürlich den Wert eines Tieres für den Halter nicht ersetzen kann.

-    Ein Jäger darf ein Haustier erschießen, um Gefahr vom Wild abzuwenden und nur als letztes Mittel.

-   Hilfe für Haustierhalter kommt ausgerechnet von einem Wildtier, dem Wolf:

Wölfe verbreiten sich immer weiter in Deutschland. Um sie zu schützen, hat Sachsen als erstes Land das Jagdrecht verschärft. Auch wildernde Hunde dürfen hier nicht mehr ohne vorherige Genehmigung erschossen werden, wohl u.a. aufgrund einer hohen Verwechslungsgefahr von Wolf und Hund. Da Wölfe sich weiter ausbreiten, könnten auch andere Landesgerichte ähnlich urteilen.

Diese Einschätzung spiegelt die aktuelle Gesetzgebung wider und ersetzt keine individuelle juristische Beratung.