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37° Ist mein Kind noch normal?
Familien im Therapiestress
Der 14-jährige William führt gern Selbstgespräche. „Ich kann dann alles besser verarbeiten,“ sagt er. Aber seine Umwelt stört sich daran. Schon im Kindergarten mischten sich Erzieherinnen ein und schlugen diverse Therapien vor. Es folgte eine Odyssee von Arztbesuchen: ein Therapeut stellte die Diagnose emotionale Angststörung, ein anderer tippte auf ADS oder das Asperger Syndrom. Jetzt ist William auf der Hauptschule und kommt mit seinen unmotivierten Klassenkameraden nicht zurecht: „Wollen sie denn nichts wissen? Ich bin doch in der Schule, um zu lernen!“ Eine erneute Gesprächstherapie und ein Intelligenztest sollen nun zeigen, ob William eigentlich hochbegabt ist und damit immer falsch eingeschätzt wurde.
Williams 10-jährige Schwester Anna leidet unter einer Leserechtschreibschwäche. „Ich hab immer gedacht, ich wäre dumm, weil ich nicht so gut lesen und schreiben kann wie die anderen, aber jetzt weiß ich, dass ich LRS habe.“ Sie geht einmal in der Woche zu einer Lerntherapeutin. Ihre Eltern sind froh, dass ihrer Tochter endlich geholfen wird. Aber sie kritisieren auch die Schule: „Früher war es Aufgabe der Lehrer, Kindern bei Schwächen zu helfen. Heute müssen wir die Förderung bei Therapeuten suchen und selbst bezahlen, damit unsere Kinder mithalten können!“
Laut Statistik wächst an den Schulen eine Generation von Kranken und Verhaltensauffälligen heran. Fast die Hälfte aller Schulkinder hat schon einmal heiltherapeutische Hilfe bekommen. 18 Prozent der Jungen und 12 Prozent der Mädchen gelten als verhaltensauffällig. ADHS wird bei über 10 Prozent eines Jahrgangs diagnostiziert. Sind unsere Kinder wirklich krank? Oder gilt nur das genormte Kind als gesund?
Der 37°-Film handelt von drei Familien mit Kindern, die auffallen, weil sie nicht der Norm entsprechen. Eine Odyssee von Diagnosen und Therapien beginnt. Wir beobachten den Alltag der Kinder in Therapie, Familie und Schule. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie sich die Eltern sehen, wenn sie die Entwicklung ihrer Kinder Fachleuten überlassen und welchen Preis die Kinder für den Erfolg bezahlen.
Regie: Katrin Wegner
Kamera: Frank Reimann
Ton: Laura Dietrichs
Schnitt: Dirk Farin
Herstellungsleitung: Susanne Gerriets
Produzenten: Ulli Pfau
Redaktion: Silvia Schmidt-Kahlert
Eine Produktion der Eikon Nord Hamburg im Auftrag des ZDF